Heeresbergführerlehrgang DEU/AUT Winterteil

     

 

Im November hat Olt Peter Lamprecht vom JgB26 umfassend über den Sommerteil des binationalen Heeresbergführerlehrganges berichtet.
Nach 30 Ausbildungswochen haben nun 21 Lehrgangsteilnehmer (LGTln) den Heeresbergführerlehrgang (HBFLG) positiv abgeschlossen und wurden am 19. April 2017 zum Heeresbergführer und Flugretter ernannt. Peter Lamprecht gibt uns nun mit einem ausführlichen Bericht Einblick in den Winterteil.

 

 

Schiausbildung und Eisklettern

Nach zweimonatiger Unterbrechung zur Regeneration und speziellen Vorbereitung beginnt der Winterteil am 09. Januar 2017. Die verbleibenden 24 LGTln (von anfänglich 30) empfangen sogleich ihre gesamte Ausrüstung und beziehen die Basis in der WALLNERKASERNE in SAALFELDEN Die frischen Schneefälle sorgen für beste Bedingungen für die bevorstehende Ausbildung.
Trotz der laufenden Kooperation ist es bis dato nicht gelungen, die Schiausbildung beider Länder zusammen zu führen. Deshalb wird diese getrennt, jedoch am selben Standort, durchgeführt.


Während der deutsche Anteil die Ausbildung zum DSV-Schi-Instructor (Deutscher Skiverband) in der Dauer von 6 Wochen absolviert, werden die österreichischen LGTln zum Heeresschiausbilder (HSA) ausgebildet. Das Schigebiet Saalbach Hinterglemm - Leogang - Fieberbrunn bietet dazu uneingeschränkte Möglichkeiten. Nach drei Wochen verlegt der gesamte Lehrgang an die Gebirgs- und Winterkampfschule in Mittenwald, um die Schiausbildung auch in anderen Gebieten (Zugspitze, Seefeld, Kühtai oder Arlberg) durchzuführen.


Ziel des HSA Lehrganges ist es, die militärische Schibeweglichkeit bis zum Abschluss der Stufe „Lernen“ zu vermitteln, Bewegungen auf Schiern zu planen, Kommandanten (Kdt) zu beraten, Steilflanken mit Gepäck sicher aufzusteigen und mit parallelem Schisteuern abzufahren.

 

Trotz der verschiedenen Lehrwege gibt es in dieser Phase auch gemeinsame Ausbildungstage, welche der Schulung im Rettungsgerätebau, in Schnee- und Lawinenkunde sowie im Eisklettern dienen. Um die Grundkenntnisse im Eisklettern vermitteln zu können, führt der Lehrgang eine zweitägige Schulung im Raum Kolm-Saigurn im Rauristal durch. Dabei soll der LGTln dazu befähigt werden, sich an gefrorenen Wasserfällen bzw. in Eisrinnen sicher bewegen und eine Seilschaft führen zu können.

Während das Eisklettern lediglich zum Kennenlernen dient, muss die Schiausbildung mit einer Prüfung abgeschlossen werden. Nach einem verletzungsbedingten Ausfall und einigen Nachprüfungen können 23 HBF-Aspiranten die Schiausbildung positiv abschließen.

 

 

Führen im winterlichen Hochgebirge

Nahtlos an die Schiausbildung schließt die Schitourenausbildung an. Die Bedingungen sind für Mitte Februar eher bescheiden. Der Schneemangel des heurigen Winters lässt im Raum Mittenwald nur begrenzt entsprechende Touren zu. Deshalb werden auch weitere Fahrten in Kauf genommen, um beispielsweise in die Stubaier Alpen auszuweichen. Auch ein späterer Wechsel nach Hochfilzen (Kitzbühler Alpen, Inneralpine Grasberge) bringt nur bedingt eine Verbesserung. Dennoch kann das Ausbildungsziel erreicht werden. Dies umfasst das Errichten von Fixpunkten und Standplätzen im Eis, Firn und Schnee sowie das Führen von Soldaten im extremen winterlichen Hochgebirge.

 

 

Selbst- und Kameradenhilfe & organisierte Rettung

Als begleitende Ausbildung finden zahlreiche Unterrichte statt, welche durch eine Ärztin der DBW gehalten werden. Dabei erlernen die LGTln interessante Grundlagen für eine optimale Selbst- und Kameradenhilfe speziell bei winterlichen Verhältnissen. Die erfahrenen Ausbilder, teilweise selbst Bergretter, präsentieren verschiedene Rettungsgeräte, die bei einer behelfsmäßigen oder planmäßigen Bergung zum Einsatz kommen. Weiters wird der Ablauf einer organisierten Bergrettung am Beispiel eines Lawinenunfalls geschult. Dazu führt der HBFLG sowohl auf der Zugspitze als auch am Truppenübungsplatz Hochfilzen (TÜPlH) eine Lawineneinsatzübung durch. Die LGTln müssen die Spezialfunktionen im Rahmen eines solchen Einsatzes wahrnehmen können. Unterstützt werden sie dabei mit einem Lawinensuchhund der Bayrischen Bergrettung und Sondertransportmittel (HÄGGLUNDS) der DBW. Die Lebenddarsteller können auf diese Weise rasch gefunden, erstversorgt und schließlich schonend abtransportiert werden.

 

 

Lawinenauslösesprengen aus Hubschraubern

Anfang März findet am TÜH die Ausbildung zum künstlichen Auslösen von Lawinen mittels Sprengstoff (Nitropenta, Emulex AV) statt. Als Voraussetzung müssen einige der LGTln bereits im Dezember 2016 die Ausbildung zum Sprenggehilfen absolvieren und die Truppensprengbefugnis erlangen. Diese beiden Lehrgänge werden in Saalfelden vom Gebirgskampfzentrum (GebKpfZ) in Zusammenarbeit mit der Pioniertruppenschule angeboten und finden zwischen dem Sommer- und dem Winterteil statt.

 

Nach den theoretischen Grundlagen und Sicherheitsbestimmungen erlernen die Teilnehmer das Anfertigen der verschiedenen Sprengladungen. In den darauf folgenden Tagen sprengen die HBF-Anwärter Lawinen händisch und aus Hubschraubern (AL II, AB212), um Bewegungen im winterlichen Hochgebirge sicherstellen zu können. Bei Auftreten von Blindgängern wird der Sprengbefugte mit der Seilwinde des Hubschraubers abgelassen und bringt eine Zerstörerladung an, welche den Sprengsatz vernichtet. Es können so einige Lawinen im Bereich des Marchenthorn erfolgreich abgesprengt werden.

 

 

Gebirgskampf  

Hochfilzen ist auch Ausbildungsort für den Gebirgskampf. Dabei geht es um das Erlangen einer Überlebens- und Durchhaltefähigkeit im winterlichen Hochgebirge. Zu den Aufgaben des HBF gehören das gebirgstechnische Führen von Infanterieteilen im Rahmen eines militärischen Einsatzes, das Beurteilen und Aufbereiten von Gelände, das Errichten von Sicherungsanlagen, das Verbringung von Spezialisten (z.B. Beobachter), das Durchführen von Rettungsmaßnahmen, das Beraten von Kommandanten bei der Planung, Vorbereitung und Durchführung von Einsätzen im Gebirge im Winter und das Mitwirken im Führungsverfahren. Zusätzlich wird gelehrt, wie in einer Gebirgszelle des Bataillons und beim Erstellen eines militärischen Lawinenlageberichtes (LLB) mitgewirkt wird.

 

Zur Ermittlung der mittleren Schneedeckenstabilität (MISTA) werden in allen Hangausrichtungen (Expositionen) entsprechende Blocktests gegraben und die gesammelten Daten ausgewertet. Daraus wird ein militärischer LLB erstellt. Dies ist beispielsweise in Auslandsmissionen erforderlich, bei denen es keinen zivilen LLB gibt. In Erprobung ist derzeit auch ein neu entwickeltes Programm namens LOLA (Lokale Lawinenbeurteilung), welches die Erstellung eines LLB hinkünftig vereinfachen soll.

 

Höhepunkte der Gebirgskampfausbildung sind ein Gefechtsschießen mit Schi und Schneeschuhen, die Verbringung mit Überschneefahrzeugen (Schiring) sowie das Biwakieren in verschiedensten Schneeunterkünften.

 

 

Abschluss der Heeresflugretterausbildung

Dies hätte bereits im Sommerteil abgeschlossen werden sollen, war aber aufgrund technischer und witterungsbedingter Einschränkungen nicht möglich. So findet parallel zur Gebirgskampfausbildung die Fortsetzung und schließlich auch die Abschlussprüfung in Hochfilzen statt. Die LGTln werden als Heeresflugretter (HFRt) mit dem Hubschrauber (ALII, AB212) zum Einsatzort geflogen und mit der Seilwinde abgelassen. Nach der Sicherung des Verletzten vor einem weiteren Absturz, der Erstversorgung des Patienten und der Herstellung seiner Transportfähigkeit mittels Bergesack, nimmt der HS den HFRt mit dem Patienten wieder auf. Schlussendlich können alle HBF-Anwärter diesen Teil der Ausbildung positiv zum Abschluss bringen.

 

 

Prüfungsaufenthalt in Andermatt (Schweiz)  

Ende März verlegt der HBFLG für zwei Wochen nach Andermatt im Kanton Uri in der Schweiz am Fuße des Oberalppasses. Der Lehrgang wird am Gebirgsausbildungsstützpunkt der Schweizer Armee in der Kaserne Altkirch bestens untergebracht. Ziel dieses Aufenthaltes ist es, die LGTln im Rahmen der Führungstouren zu prüfen und so die Eignung zum HBF festzustellen. Beurteilt werden die Planung, Durchführung und die Nachbereitung von Marschbewegungen im winterlichen Hochgebirge, das Anwenden der entsprechenden führungstaktischen und führungstechnischen Maßnahmen sowie lawinenbewusstes Verhalten im Auf- und Abstieg. Dem Orientieren sowie der Anwendung von GPS und digitalen Karten am PC kommt eine große Bedeutung zu. Der LGTln muss das Führen bis zum Schwierigkeitsgrad UIAA III+ im winterlichen Felsgelände mit Schitourenschuhen und Steigeisen beherrschen. Zu guter Letzt hat sich der HBF-Anwärter als Gebirgsausbilder zu beweisen und einen Lehrauftritt zu halten, indem er die Inhalte der Truppengebirgsausbildung (TGebA) sowie der Heereshochgebirgsspezialisten-Ausbildung (HHGS) Winter vermittelt.

 

Das Tourenangebot in Andermatt ist vielfältig, wenn auch in der Schweiz heuer sehr ungünstige Verhältnisse herrschen. Ein von den niedrigen Frühwintertemperaturen entstandenes Altschneeproblem in der Schneedecke verschärft die Lawinengefahr enorm. Hinzu kommt eine beträchtliche Neuschneemenge in der zweiten Ausbildungswoche. Diese Umstände führen dazu, dass sowohl die LGTln als auch die verantwortlichen Ausbilder bei der Tourenplanung stets gefordert sind. Dennoch können schöne und anspruchsvolle Gipfel bestiegen werden, wie z.B. das Finsteraarhorn (4.274m) in den Berner Alpen, der Alphubel (4.206m) und das Alaninhorn (4.027m) in den Walliser Alpen, der Gallenstock (3.586m) in den Urnen Alpen oder das Marchhorn (2.962m) in den Tessiner Alpen.

 

Die Prüfungen in Schnee- und Lawinenkunde, Selbst- und Kameradenhilfe sowie der Suche von drei Verschütteten mit dem Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS) auf Zeit beenden den Aufenthalt in der Schweiz.

 

Durchquerung der Stubaier Alpen  

Ohne Pause geht es zum letzten Höhepunkt des HBFLG. Die abschließende Hürde am langen Weg zum HBF ist die Durchquerung der Stubaier Alpen. Aufgrund der großen Stärke wird der HBFLG in 7 Gruppen zu je 3 LGTn und einem Ausbilder aufgeteilt. Bereits in der Schweiz wurden die Touren ausgearbeitet und müssen jetzt nur noch an das Wetter angepasst werden. Der Schnee fehlt immer noch an allen Ecken und Enden. Aber die Durchquerung ist durchführbar. So steigen am Montag den 03. April 2017 die Tourengruppen auf verschiedene Hütten in den Stubaier Alpen auf. In den kommenden Tagen überschreiten die Tourengruppen am Weg zu den nächsten Hütten so viele Gipfel als möglich. Eingeschränkte Sicht und die heikle Lawinensituation fordert die eingeteilten Führer bis aufs Äußerste. Dennoch können Gipfel wie der Gleirschfernerkogel (3.194m), der Lüsener Fernerkogel (3.298m), das Wilde Hinterbergl (3.288m) und die Ruderhofspitze (3.474m) erklommen und steile Rinnen befahren werden.

 

Endpunkt der Durchquerung ist für alle Teile am Donnerstag den 06. April 2017 der Gasthof Lüsens. Zum letzten Mal tritt die Prüfungskommission zusammen, um über die Noten zu beraten. Wenn auch das Ergebnis noch nicht bekannt gegeben wird, so kann auf die gezeigte Leistung angestoßen und gefeiert werden. Die Ausbildung ist somit abgeschlossen. Nach der Reorganisation wird der Lehrgang in den wohlverdienten Osterurlaub entlassen, um sich von den Strapazen des Winterteils zu erholen und Überstunden abzubauen.

 

 

Ernennung zum HBF und HFRt  

Nach Ostern kommt der HBFLG noch einmal am GebKpfZ in Saalfelden zusammen. Sämtliches Gerät wird auf Beschädigungen und Vollzähligkeit überprüft, bevor es beim Gebirgsgeräteverwalter abgegeben wird. Bald sind auch alle administrativen Tätigkeiten abgeschlossen und alle können sich auf die bevorstehende Ernennung freuen.

 

Ein intensives Jahr mit vielen Herausforderungen, Prüfungen und Erlebnissen neigt sich dem Ende zu. Dies soll im kameradschaftlichen Sinne würdig gefeiert werden. Zu diesem Zwecke organisieren die LGTln in Eigeninitiative eine Abschlussfeier in einer urigen Almhütte nahe Leogang. Zu Musik, Speis und Trank sind alle Ausbilder, die am HBFLG mitgewirkt haben, eingeladen. Sie feiern bis spät in die Nacht.

 

Frisch gestriegelt steht der HBFLG am 19. April 2017 zum offiziellen Empfang aller Ehrengäste im Festsaal der Wallner-Kaserne bereit. Obst Jörg RODEWALD, Kdt des GebKpfZ Saalfelden und Gastgeber, kann zahlreiche Kommandanten und Abordnungen aus Österreich, Deutschland, Schweden und Großbritannien sowie Angehörige der LGTln begrüßen. Er nutzt die Gelegenheit, sich bei all jenen Verbänden des ÖBH zu bedanken, welche mit ihrer personellen Verstärkung die Ausbildung maßgeblich unterstützt haben. Auch das JgB26 (HGeb) hatte zwei erfahrene HBF zum Lehrgang entsandt.

 

Nach den Festreden und einem beeindruckenden Kurzvideo vom HBFLG findet am Marktplatz der Gemeinde Saalfelden der Festakt zur Ernennung der neuen HBF unter Beisein zahlreicher Gäste statt. Der Schneefall und die vorherrschende Kälte sorgen für eine „bergführerwürdige“ Stimmung. Mit Stolz empfangen schlussendlich 19 LGTln das begehrte Abzeichen. Die Restlichen bekommen beim nächsten HBFLG noch einmal die Gelegenheit, die ausständigen Prüfungen nachzuholen. Der große österreichische Zapfenstreich der Militärmusik Salzburg schließt die würdige Ernennungszeremonie ab.

 

Mit dem Abzeichen auf der Brust und den Erfahrungen in den Knochen verabschieden sich die jungen Bergführer voneinander. Sie werden durch das starke Band der Kameradschaft für immer verbunden bleiben. Jeder kehrt nun zu seinem Heimatverband zurück, ob in Deutschland, Österreich, Schweden oder Großbritannien. Sie alle werden als neue Heeresbergführer mit ihrer Expertise in der Ausbildung und im Einsatz zur Verfügung stehen.

 

 

Danksagung  

Ich möchte mich bei all jenen herzlich bedanken, die mich in der Zeit der Vorbereitung und am HBFLG unterstützt und begleitet haben, besonders bei Herrn StWm Christof WASTL (HBF) und bei Herrn Vzlt Mario BÜRGER (HBF) vom JgB26 (HGeb) in Spittal an der Drau.

 

Im Namen aller LGTln des HBFLG 2016/17 darf ich mich bei unserem Lehrgangskommandanten, Mjr Philipp EGELE vom GebKpfZ in Saalfelden und seinem Stellvertreter, Hptm Georg KLAUSER von der GebWiKpfS in Mittenwald und dem gesamten Team aus Deutschland und Österreich bedanken. Sie alle haben mit außerordentlicher fachlicher und menschlicher Kompetenz das aus uns gemacht, was wir heute sind: Heeresbergführer mit Leib und Seele!
DANKE!

 

Berg Heil!

 

Oberleutnant

Peter LAMPRECHT

Heeresbergführer.