Heeresbergführerlehrgang DEU/AUT Sommerteil

 

Eine Reportage von Olt LAMPRECHT Peter

 

 

Die Einstiegsüberprüfung

 

Es ist Montag der 6. Juni 2016. Um 10:00 Uhr betritt Mjr EGELE Philipp den Lehrsaal 7 des Gebirgskampfzentrum (GebKpfZ) in Saalfelden und schaut in die Gesichter von 35 jungen Soldaten und einer Soldatin. Sie alle stellen sich der Aufnahmeprüfung für den Heeresbergführerlehrgang (HBFLG) 2016/17 welcher zum zweiten Mal als gemeinsamer Lehrgang der Bundeswehr (Bw) und dem Österreichischen Bundesheer (ÖBH) durchgeführt wird. Gespannt lauschen sie den Ausführungen ihres Lehrgangskommandanten: „… Strecke von ca. 5 km mit 12 kg Gepäck und ca. 700 Höhenmetern zu absolvieren! Wer unter 59:59 Minuten durch das Ziel kommt, wird aufgenommen!“

 

Nach der Einweisung in die Einstiegsüberprüfung werden Alpingerät ausgefasst, Steigeisen anprobiert und der Zustand der militärischen Schi überprüft. Danach sammeln sich die Aspiranten in der Kletterhalle der Wallnerkaserne zu einer Sichtung des persönlichen Kletterkönnens. Es sind drei Kletterrouten bis zum Schwierigkeitsgrad UIAA 5+ zu klettern. Diese werden per Los zugeteilt und sind im Vorstieg zu klettern. Mit Argusaugen beobachten die deutschen und österreichischen Ausbilder jeden einzelnen Bewerber. Abschließend bleibt noch Zeit, die Wettkampfstrecke für den Konditionstest zu besichtigen. Voller Spannung warten nun alle auf den Beginn der Einstiegsüberprüfung.

 

Am Dienstag ist es dann so weit. Der Lehrgang verlegt in den Ausbildungsklettergarten des ÖBH. Dieses Mal scharen sich auch zahlreiche Vorgesetzte, Kommandanten und Pressevertreter vor Ort. Sie alle wollen wissen, was ein HBF-Anwärter so leisten muss. Nun werden die schweren Profilschuhe fest geschnürt, denn mit diesen müssen drei Kletterrouten im alpinem Gelände mit unterschiedlichem Charakter vorgestiegen werden: eine „normale“ Route mit Platten, Risse und Verschneidungen, eine Route durch einen Kamin sowie eine Route, welche technisch geklettert wird. Dabei darf man alle Hilfsmittel anwenden wie zum Beispiel eingehängte Reepschnüre oder Expressschlingen. Hier zeigte sich schon deutlich, wer mit alpiner Kletterei noch nicht viel zu tun hatte. Doch es bleibt keine Zeit zum Grübeln, denn im Lehrsaal 7 sind schon die Papierbögen der Theorieprüfung fein säuberlich aufgelegt. Genau 50 Minuten später werden auch schon alle Stifte abgelegt. Der erste Prüfungstag ist somit absolviert.

Der Mittwoch beginnt um 05:00 Uhr mit der Standeskontrolle. Verschlafen steigen anschließend alle in den Bus der sie zu den Hintertuxer Gletscherbahnen bringt. Nach der Bergfahrt und einem kurzen Einfahren werden drei Prüfungsfahrten absolviert. Nebel und schwere Schneeverhältnisse machen die Schwünge zu einer großen Herausforderung. Der Rucksack am Rücken erschwert die Fahrt zusätzlich. Das Wetter verschlechtert sich zunehmend. Doch der HBF muss in der Lage sein, seinen Auftrag bei jeder Witterung durchführen zu können. Daher wird mit der Prüfung, dem Mixed-Eis-Parcour, bei dem das Gehen und Klettern im kombinierten, teilweise vereisten Gelände gefordert wird, fortgefahren. Plötzlich ein Steinschlag: „Stein!“ kommt es aus dem Nebel von oben gerufen. Alle drücken ihre Körper zur Felswand. „Noch einmal gut gegangen!“, sagt einer der Betroffenen und konzentriert sich auf seinen nächsten Schritt. Am Ende des Tages kommen alle Teilnehmer wohlbehalten im Tal wieder an. Während der langen Rückfahrt ist es sehr leise im Bus.

 

Es ist Donnerstag, der dritte und letze Prüfungstag und es wartet wohl die härteste Prüfung dieser Woche auf die HBF-Anwärter, der Konditionstest. Zu Fuß und bereits aufgewärmt, erreichen alle Teilnehmer den Start. Die letzen Fotografen und Kamerateams positionieren sich an günstigen Stellen entlang der Strecke. Auch die Sanitäter sind vor Ort. Die Spannung steigt von Minute zu Minute spürbar an. „Auf die Plätze, fertig…los!“ Mit schnellen Schritten, teilweise laufend, bewegen sich die Wettkämpfer ihrem Ziel, 5 km entfernt und 700 Höhenmeter weiter oben, entgegen. Alle haben nur eines im Kopf, das Ziel unter einer Stunde zu erreichen. Doch am Ende sollte sich das Limit für einige als zu hart herausstellen. Zum Teil schleppen sich die abgekämpften Männer und Frauen mit letzter Kraft über das Gatter, welches das Ziel darstellt. Anfeuerungsrufe schallen durch den leicht regnerischen und nebeligen Tag. Die Uhr zeigt 59:32 Minuten. Wer kann es noch schaffen? Sofort nach Erreichen des Zieles wird das Rückengepäck überprüft. 12 kg muss es auf der Waage haben, sonst ist die Leistung ungültig und der HBF-Anwärter automatisch ausgeschieden. Da gehen die Teilnehmer lieber auf Nummer sicher. Nach einer kurzen Verschnaufpause versammelt Mjr Philipp EGELE die Wettkämpfer um sich und gibt die Tagesbestzeit von 43:56 Minuten bekannt. Er gratuliert zu den gezeigten Leistungen und lässt in die Kaserne abrücken.

 

Nach der Sitzung der Prüfungskommission erfahren alle HBF-Anwärter ihr Prüfungsergebnis. Am Ende erhalten 30 der 36 Prüflinge einen Lehrgangsplatz. Darunter befinden sich 10 österreichische, 16 deutsche, 2 britische und 2 schwedische Soldaten. Sie sind somit Teil des nun beginnenden HBFLG DEU/AUT 2016/17.

 

 

Der Felsteil

 

Schon am Freitag, gleich nach der überstandenen Aufnahmeprüfung, fassen die Teilnehmer des HBFLG zusätzliches Gerät aus: Felshammer mit Hakensatz, Steigleiter, Steigklemme, Halbseile, Bohrer uvm. Doch zu Beginn des Felsteiles wird die Masse des Gerätes erstmal im Spind verstaut. Zunächst werden die HBF-Anwärter von der Pike auf im Felsklettern geschult. Diese Ausbildung wird Raum Saalfelden, dem Basisstützpunkt für alle Ausbildungen dieses Lehrganges, gemacht und umfasst die verschiedenen Arten des Standplatzbaus, Sicherungsmöglichkeiten sowie Kletter- und Seiltechniken. In zahlreichen Unterrichtsstunden wird auch die Sicherungstheorie, Materialkunde und Erste Hilfe gelehrt.

 

Nach dieser zweiwöchigen Basisausbildung verlegt der gesamte Lehrgang Ende Juni in das Gebiet des Wilden Kaiser. Mit dem Stripsenjochhaus auf 1580 m befindet man sich im idealen Gelände um das alpine Klettern zu schulen. Im Angesicht der steilen Wände des Predigtstuhls (2116 m), Totenkirchels (2190 m) und der Fleischbank (2186 m) zieht es einem schon mal kalt über den Rücken. Die ausgezeichnete Versorgung durch die Hüttenbelegschaft ist mit ein Grund für die außerordentlich gute Lehrgangsstimmung. Das gute Wetter schafft gleich zu Beginn ideale Verhältnisse für die ersten Führungstouren. Alle können jetzt viel von den Ausbildern lernen. Schon bald ist jedoch klar, dass nicht alle den Sprung vom Klettergarten in die alpine Kletterei schaffen würden. Einige dieser Kameraden müssen den Lehrgang deshalb frühzeitig verlassen und bekommen die Chance sich für den nächsten Lehrgang ideal vorzubereiten. Nach zwei intensiven Ausbildungswochen ohne Pause, verlegen die HBF-Anwärter nach Saalfelden zurück und werden für eine Woche zur Regeneration entlassen.

 

Frisch gestärkt geht es mit neuem Elan Mitte Juni nach Südtirol. Rund um das Grödner Joch und Sellajoch wachsen gewaltige Wände aus den grünen Wiesen, die oftmals mit kurzem Zustieg gewaltige Alpintouren erlauben. Während an den Sellatürmen und am Piz Ciavazes sonnige Genussklettereien zu finden sind, gibts östlich und westlich davon am Langkofel und an der 800 m Wand der Pordoispitze richtig lange Alpinrouten. In Wolkenstein bezieht der HBFLG seine Unterkunft und trifft alle Vorbereitungen für die bevorstehende Felsprüfung. Die Lehrgangsteilnehmer (LGTn) schlüsseln das Gelände auf, bereiten Geländeeinweisungen vor und führen die Marschplanung für ihre Prüfungstouren durch. Gefordert ist nicht nur das Führen im oberen fünften Schwierigkeitsgrad, sondern auch das Absichern der oft nur rudimentär gesicherten Routen sowie das Orientieren in der Wand. So mancher der angehenden Bergführer wird dabei an seine mentale Grenze geführt. Diese Ausbildung ist auch mit vielen Risiken verbunden und so bleibt auch dieser Lehrgang nicht ohne Vorkommnisse. Ein österreichischer Teilnehmer verletzt sich nach einem Vorsteigersturz in der Südostwand des Sas Ciampac und wird mit dem Rettungshubschrauber in das Krankenhaus Bozen geflogen, wo er noch am selben Tag operiert wird. Glücklicherweise ist er bereits am Weg der Besserung und wird bald schon wieder vollständig genesen sein. Das Risiko ist jedem bewusst und es wird zum ständigen Begleiter der jungen Alpinisten. Sie lernen damit umzugehen und die größtmögliche Sicherheit für die ihnen anvertrauten Geführten zu ermöglichen.

 

Die Prüfung selbst besteht aus zwei Prüfungstouren sowie einem Stationsbetrieb. Hierbei werden Seiltechniken wie das Einmann-Bergeverfahren, das Rückzugsverfahren und die Lose-Rolle geprüft. Eine Station widmet sich der erweiterten Ersten-Hilfe von verunglückten Personen, welche durch die HBF-Anwärter versorgt werden müssen. Eines war allen Prüflingen klar: Wer diesen Prüfungsteil positiv besteht, der hat eine große und vielleicht auch die wichtigste Hürde seiner HBF-Ausbildung geschafft. Am Ende können 24 HBF-Anwärter mit einem positivem Ergebnis  in den wohlverdienten zweiwöchigen Urlaub geschickt werden.

 

Der Eisteil

 

Nach der zweiwöchigen Pause, die sowohl die HBF-Anwärter, als auch die Ausbilder zu neuen Kräften verholfen hat, verlegt der Lehrgang Mitte August auf die Oberwalderhütte in der Großglocknergruppe. Auf knapp 3000 m ist der Ausbildungsstützpunkt ideal für die Akklimatisierung und die Eisbasisausbildung. Die LGTn werden im Gehen und Klettern in Eisflanken geschult und retten sich und ihre Kameraden aus Gletscherspalten. Dabei wird bereits die Prüfung „Kameradenrettung aus der Spalte“ abgenommen, um sich mehr Zeit für die Folgeausbildung zu verschaffen. Wiederum ist man auf der Hütte um das Wohlergehen des HBFLG sehr bemüht und scheut keine Mühen. Die zufriedenen Gäste danken dies mit einigen schönen Soldatenliedern nach altem Brauch und zünftiger Ziehharmonikamusik. Nun ist die Basis geschaffen, und es freuen sich alle auf den Höhepunkt des Sommerteils.

 

Am 29. August bricht ein Konvoi von Bw und ÖBH Fahrzeugen von Saalfelden Richtung Chamonix in Frankreich auf. Nach zehnstündiger Autofahrt erreicht der Lehrgang seinen neuen Ausbildungsstützpunkt, die ENSA (École Nationale de Ski et dAlpinisme). In gewohnter Art und Weise bereiten sich alle auf die bevorstehenden Prüfungen vor. Das gute Wetter, das zu dem Zeitpunkt in der Mont Blanc Gruppe vorherrscht, ist ideal, um die Prüfungstouren sofort in Angriff zu nehmen. Dazu gehören die Klassiker wie zum Beispiel der Cosmiques Grad, Midi-Plan Grad oder das Chere Couloir auf den Mont Blanc du Tacul (4248). Zu den absoluten Highlights aber zählt bestimmt die Überschreitung des Mont Blanc (4810 m), die sogenannte Royal traverse, die Besteigung des Dent du Géant (4013 m), des Aiguille du Chardonnet (3824 m) oder des Mont Maudit (4465 m) über den Kuffnergrat. Aufgrund der warmen Temperaturen besteht jedoch hohe Fels- und Eissturzgefahr, sodann die Tourengruppen immer wieder in gefährliche Situationen geraten. Ein HBF-Anwärter, der durch einen Steinschlag getroffen wird, muss durch den Rettungshubschrauber zur medizinischen Abklärung in das Spittal geflogen werden. Glücklicherweise kann er am selben Tag wieder entlassen werden. Weniger Glück hat eine italienische Bergsteigergruppe am Zustieg zum Mont Blanc, dem höchsten Gipfel der Alpen. Ein Alpinist wird nach einem Seilschaftssturz, bei dem mehrere Personen mitgerissen werden, unbestimmten Grades verletzt. Eine Ausbildungsgruppe von angehenden Bergführern eilt herbei und leistet professionelle Erste-Hilfe bis der Notarzthubschrauber eintrifft. Dies zeigt, wie wichtig eine gediegene Sanitätsausbildung für Bergführer ist.

 

Mit dem Einzug einer Schlechtwetterfront ist auch die Zeit der Gipfelbesteigungen vorbei und alles konzentriert sich auf die bevorstehende Prüfung am Gletscher. Es wird ein Lehrauftritt abverlangt, der zeigen soll, dass die HBF-Anwärter in der Lage sind, die verschiedenen Ausbildungsthemen in Theorie und Praxis, methodisch richtig, zu lehren. Außerdem müssen sich die Teilnehmer selbst aus einer Gletscherspalte bergen können. Weiters ist ein Eisparcour mit Steigeisen und Pickel zu überwinden. Dabei sollen die verschiedenen Techniken zur Anwendung gebracht werden. Im senkrechten Eis muss mit Steileisgeräten vorgestiegen und dabei Zwischensicherungen mittels Eisschrauben gesetzt werden. Nach zwei intensiven Wochen wird sämtliches Gerät nachbereitet und wieder verladen. Alle freuen sich auf ein erholsames Wochenende zu Hause im Kreise ihrer Liebsten.

 

 

Der Sicherungsanlagenbau

 

So schnell kann ein Wochenende vergehen. Es ist Mitte September und es versammeln sich alle Teilnehmer, verladen wieder hunderte Kilogramm Gepäck und Ausrüstung auf den Fahrzeugen, um gleich darauf Richtung Mittenwald in Deutschland aufzubrechen. Dort, an der Gebirgs- und Winterkampfschule der Bw, erfolgt nämlich die Ausbildung zum Sicherungsanlagenbauer. Direkt im Umfeld der Karwendelkaserne ragen hohe Wände empor, getrennt durch steile Schluchten. Ein perfekter Ort, um schwieriges Gelände für die Truppe mittels Seilgeländer, Seilbrücken und Seilbahnen gangbar zu machen. Dabei muss der HBF-Anwärter die auftretenden Belastungen auf das jeweilige System abschätzen und entsprechend dimensionierte Verankerungen herstellen können. Es steht ihm eine Vielzahl an Gerät zur Verfügung, welches er mit Sorgfalt zum Einsatz zu bringen hat. Hier wird nun die Basis dafür geschafften, dass diese Techniken im Rahmen eines militärischen Szenarios zur Anwendung gebracht werden können. Dies sollte dann praktisch bei der Gebirgskampfausbildung erfolgen.

 

 

Der Bergrettungslehrgang

 

Dieser Lehrgang findet für weitere zwei Wochen an der Gebirgs- und Winterkampfschule in Mittenwald statt. Der Ausbildungsschwerpunkt liegt beim Erlernen der verschiedenen Rettungstechniken. Dazu zählt zum Beispiel das Flaschenzugsystem oder die im ÖBH eingeführte Faserseilwinde. Mit langen Statikseilen kann so ein Retter zur verunglückten Person abgelassen und bis zu 400 m nach oben oder unten geborgen werden. Zur Rettung aus Schluchten wird durch die HBF-Anwärter ein Kransystem errichtet. Dies hat den Vorteil, dass das Bergeseil ohne Wandkontakt nach unten geführt wird und so scharfe Kanten und Steinschlag vermieden werden können. Es werden mehrere realistische Szenarien eingespielt. Die Lerhgangsteilnehemer müssen dann gemeinsam als Rettungsmannschaft die Situation erfassen, eine Einsatzplanung und schlussendlich die Rettungsaktion durchführen. Dabei ist immer ein Einsatzleiter bzw. Unfallplatzkommandant bestimmt, welcher mit der Führung beauftragt ist. Dabei ist entschlossenes, strukturiertes und vor allem rasches Handeln von besonderer Bedeutung.

 

Zwischendurch müssen dann noch die schriftlichen Theorieprüfungen absolviert werden. Dabei wird das persönlich Wissen über Wetter, Materialkunde und Erste-Hilfe abgefragt. Im Anschluss erhalten die jungen HBF-Anwärter durch den Lehrgangsarzt der Bw noch eine Einweisung in das Legen von intravenösen Zugängen. Dies stellt im Rahmen der Ersten-Hilfe eine wesentliche Maßnahme zur Erhaltung der Vitalfunktionen dar. Der fertige HBF soll in der Lage sein, einen Notarzt bei seinen Tätigkeiten zu unterstützen, da er oft der einzige Helfer vor Ort ist. Was für einige Angehörige der Spezialeinsatzkräfte schon lange Standard ist, ist für viele der Anwärter interessantes Neuland.

 

Gegen Ende des intensiven Bergrettungslehrganges und einigen schwierigen Übungsszenarien bei Tag und bei Nacht, muss jedoch festgestellt werden, dass aufgrund der großen Lehrgangstärke nicht alle Ausbildungsziele vollständig erreicht werden können. Darauf hin kommt es zu einer  Neubeurteilung welche zum Schluss führt, dass die Abschlussprüfung in der Bergrettung auf einen späteren Zeitpunkt verlegt werden muss. So haben die HBF-Anwärter noch etwas Zeit zum Üben.

 

 

Der Gebirgskampflehrgang

 

Ist der HBF auch Gebirgskämpfer? Natürlich kann auch ein Bergführer in Gefechtshandlungen unmittelbar verwickelt werden. In der Regel wird man aber versuchen dies zu vermeiden. Der HBF ist ein „force multiplier" und sollte mit Sorgfalt eingesetzt werden. Deshalb ist es nicht Ziel, das eigenen gefechtsmäßige Verhalten zu schulen, sondern viel mehr die eigentlichen Aufgaben eines HBF in einem Gebirgskampfszenario zu schulen. Darunter fällt vor allem das Beraten des Kommandanten und das Mitwirken im Planungsverfahren. Dazu wird die Lage „Highland“ angespielt, welche als Grundlage aller Handlungen bis auf die gefechtstechnische Ebene dient.

 

Das Schwergewicht der Ausbildung liegt beim Begehbarmachen von schwierigen Geländeabschnitten für die Truppe. Dazu verlegt der HBFLG auf den Truppenübungsplatz Hochfilzen in Tirol. Dort kommen alle Inhalte des Sicherungsanlagenbaus praktisch zur Anwendung, wobei nun die entsprechende Feindlage zu berücksichtigen ist. Gefechtsmäßig und unter Eigensicherung werden hunderte Meter Seilgeländer entlang von Versorgungswegen oder in die Stellungen der Feuerunterstützungselemente gebaut. Die Fülltruppe für die Übung wird durch die Ausbildungskompanie des GebKpfZ in Saalfelden gestellt. Diese wird durch die Bergführertrupps sicher durch das schwierige Gelände geführt.

 

Abgerundet wird das Ausbildungsvorhaben mit einem anspruchsvollen Winkelschießen auf weite Distanzen bis zu 400 m. Dabei wird während des Abseilens und am Seilgeländer hängend geschossen. Dies erfordert das gezielte Schießen aus ungewohnter Körperposition, eine interessante Erfahrung selbst für die Angehörigen der Spezialeinsatzkräfte.

 

Zum Abschluss wird die aufgeschobene Bergrettungsprüfung durchgeführt. Dabei haben die HBF-Anwärter drei Stationen zu bewältigen. Zum einen muss eine Faserseilwinde entsprechend bedient und eine Seilverlängerung durchgeführt werden. Die zweite Station ist ein Fehlerparcour. Die Prüflinge haben den Auftrag, die bereits angebrachten Verankerungen zu überprüfen und vorhandene Fehler festzustellen. Die letzte Prüfungsstation umfasst das Errichten eines Kransystems. Nach bestandener Prüfung steht nun noch der letze Ausbildungsabschnitt bevor.

 

 

Die Flugretterausbildung

 

Zum letzen Abschnitt des Sommerteiles verlegt der HBFLG am 17. Oktober direkt zum Hubschrauberstützpunkt in Aigen im Ennstal. Nach dem Vertrautmachen mit den Sicherheitsbestimmungen vor Ort und an den verschiedenen Hubschraubertypen beginnt auch schon die praktische Ausbildung. Zunächst erlernen die HBF-Anwärter das Transportieren von Personen an der Winde bzw. von Gerät als Außenlast. Wichtig ist dabei das Zusammenspiel des Piloten, des Technikers sowie des Flugretters, der Teil der Crew ist. Dabei wird die Kommunikation untereinander mittels Funk und bei dessen Ausfall mit Handzeichen geschult.

 

In weiterer Folge wird das Retten von Verunfallten mittels Seilwindenbergung in einem Bergesack im absturzgefährdeten Gelände geübt. Nach Eintreffen des Notrufes steigt der Hubschrauber samt Rettungsmannschaft auf und fliegt zum Einsatzort. Der Heeresflugretter wird dort abgesetzt und bereitet den Verunglückten für den Abtransport vor. Dabei ist dieser mittels einer lösbaren Verankerung fixiert, um ein weiteres Abstürzen zu verhindern. Ist der Verunglückte transportfähig, kommt der Hubschrauber und windet das Paket samt Flugretter wieder auf. Dabei ist der Zeitpunkt entscheidend, zu welchem der Flugretter sich und den Verletzten in die Winde einhängt, jedoch noch mit dem Untergrund verbunden ist. Da niemals eine fixe Verbindung zwischen Hubschrauber und Boden bestehen darf, ist diese Verankerung lösbar angebracht. Dieser komplexe und sicherheitsrelevante Ablauf muss entsprechend geübt werden.

 

Aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse und dem Umstand, dass trotz aller Bemühungen zu wenige Hubschrauber vor Ort zur Verfügung stehen, kann die Flugretterausbildung am Ende nicht vollständig abgeschlossen werden. Die fehlenden Flugstunden werden nach einer Neubeurteilung wohl im kommenden Winterteil nachgeholt werden. Eine theoretische Überprüfung bringt diese letzte Ausbildungswoche zu Ende. Nun muss noch das gesamte Gerät nach Saalfelden gebracht, nachbereitet und rückorganisiert werden. Ein langwieriger Prozess bei der Menge an Gerät.

 

Doch auch der letzte Tag des Sommerlehrganges geht irgendwann dem Ende zu. Nach Verleihung der Abschlusszeugnisse verlassen 24 HBF-Anwärter glücklich den Lehrsaal 7 in Saalfelden. Sie alle sind stolz darauf, den Sommerblock positiv und gesund überstanden zu haben. Zufrieden mit der eigenen Leistung, aber müde von den intensiven 20 Ausbildungswochen, die nun hinter ihnen liegen, verabschieden sie sich mit einem „Berg Heil“.

 

Am 09.Januar 2017 werden sie sich wieder in Saalfelden treffen - voll motiviert, in bester körperlicher Verfassung und mit neuem Tatendrang - für den Winterteil des HBFLG.