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EIGER Nordwand - Heckmaier

Vier Tage stabiles Hochdruckwetter und ein verlängertes Wochenende. Das war der Auslöser, ein schon länger geplantes Unternehmen in Angriff zu nehmen. Mein ältester Sohn Anton und ich fuhren am 5. Mai 2016 nach Grindelwald und weiter mit der Bahn auf die kleine Scheidegg. Zu Fuß ging's weiter zur Station Eigergletscher, wo wir eine sehr kurze Nacht verbrachten.

Am 6. Mai querten wir im Finsteren hinüber zum Einstieg. Der Vorbau war wegen des Schnees anstrengend, dafür war das Orientieren leicht. Mit Sonnenaufgang erreichten wir den schwierigen Riss, kurz davor seilten wir an. Nach dem Riss querten wir unter der roten Fluh bis zum Hinterstoisser Quergang. Dort hängt ein Seil, das uns den Quergang beträchtlich erleichterte. Danach folgt das erste Eisfeld, das mit Schneeauflage angenehm zu begehen war.

Der Eisschlauch ebenso schmal wie sicherungsfeindlich und eine moralische Herausforderung. Das zweite Eisfeld war wieder gut mit Schnee bedeckt. Mit dem Bügeleisen waren dann die nächsten Kletterstellen zu überwinden und wir erreichen um etwa 15 Uhr das Todesbiwak.

Der Rest des Nachmittags verging dann mit Dösen, Kochen und Biwakvorbereitungen. Die Aussicht und der Steinschlag waren beeindruckend. Im ziemlich luxuriösen Biwak blieben wir dann bis zur Morgendämmerung. Nach dem Aufbruch querten wir das dritte Eisfeld und stiegen in die Rampe ein. Recht angenehm zu klettern geht es in logischer Linie in den Wasserfallkamin. Dieser stellte sich bei den herrschenden Bedingungen als Schlüsselstelle heraus. Danach kletterten wir über das Rampeneisfeld zum brüchigen Band. Es folgt der beeindruckend ausgesetzte brüchige Riss.

Über den Götterquergang ging es nach rechts in die Spinne. Die war fast blank und ein echter Wadlbeißer. In den Ausstiegsrissen wartete mit dem Quarzriss noch eine unangenehme Überraschung auf uns. Ohnehin nicht gerade leicht, war er durch eine hauchdünne Eisglasur eine echte Herausforderung. Wie wir da hinaufgemurkst sind, will keiner wissen und Bilder gibt es zum Glück auch keine. Weiter ging es über das Cortibiwak zu den letzten zwei Felsseillängen.

Im folgenden leichten Gelände konnten wir das Seil einpacken. Die Eisflanke zum Mittelegigrat bestand aus kaltem Wassereis. Also das Seil noch einmal heraus und nach drei Seillängen war der Grat erreicht. Dem Grat folgend zum Gipfel gibt es keine Schwierigkeiten mehr.

Der Abstieg im knietiefen Schnee war dann ein echter Konditionstest und dauerte wesentlich länger als zunächst angenommen. Die Wand hätte mehr Eis sehr gut vertragen, aber auch bei besten Verhältnissen hätten wir sicher zwei Tage gebraucht.

 
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