Es ist immer wieder zu hören, dass BOSNIEN und HERZEGOWINA alpinistisch einiges zu bieten hätte. Deshalb haben wir unseren Kameraden Thomas gebeten uns einen Kurzüberblick über dieses Land geben. Dabei erläutert er auch die alpinistischen Möglichkeiten.
Hier ist der erste Teil seines Berichtes. In der avisierten Fortsetzung wird er etwas mehr und mit Fotos dokumentiert ins Detail gehen. - Besten Dank!

Bosnien und Herzegowina
Hauptstadt: Sarajevo
Fläche: 51.129 km²
Einwohnerzahl: 4,498,976

Überblick:
Bosnien und Herzegowina (BuH) befindet sich im mittlerem Teil der balkanischen Halbinsel. Im Norden, Westen und Südwesten grenzt es mit der Republik Kroatien, und Osten bzw. im Südosten mit Serbien bzw. Montenegro. BuH hat einen kleinen Zugang ans Meer in der Küstenlänge von ungefähr 21 km bei Neum. BuH hat eine insgesamt 1.459 km lange Außengrenze.

Der Friedensvertrag von BuH wurde am 21.11.1995 in Dayton unterzeichnet und am 14.12.1995 in Paris unterschrieben. Damit ist die Regierungsform und die administrative Gliederung von BuH festgelegt. BuH wird administartiv in zwei Gebiete gegliedert: Föderation BuH (51%) und Republika Srpska (49%). Die Föderation BuH wird zusätzlich noch in 10 Kantone geteilt und die Kantone werden in Gemeinden geteilt, während die Republika Srpska eher zentralistisch strukturiert ist.

Der Großteil BuHs wird vom Dinarischen Gebirge geprägt. Die höchstgelegenen Gebiete des Landes befinden sich im Südosten, an der historischen Grenze zwischen Bosnien und der Herzegowina. Der Gipfel des südlich von Foca an der montenegrinischen Grenze gelegenen Maglic-Massivs ist mit 2.386 m der höchste Punkt. Der Rest des Landes ist vorwiegend von Mittelgebirgslandschaft geprägt. Die hohe Löslichkeit des Kalkgesteins führt zur Verkarstung eines großen Teiles des Landes. Das Wasser fließt in vielen Gebieten nicht oberflächlich ab, sondern versickert und fließt unterirdisch in Höhlensystemen weiter, die Zahl ständig wasserführender Flüsse ist daher eher gering. An seiner Nordgrenze hat BuH Anteil an der Pannonischen Tiefebene, die sich hier im Bereich der Save-Niederung erstreckt.

Die wichtigsten Flüsse des Landes sind Save und Drina, die BuH im Norden und Osten begrenzen, sowie die Bosna, welche im Landesinneren entspringt und in die Save mündet. Fast das gesamte Gebiet Bosniens gehört zum Einzugsgebiet der Save bzw. des Schwarzen Meeres, während die Flüsse der Herzegowina in die Adria entwässern.
Die Täler der größeren Flüsse BuHs erstrecken sich fast ausschließlich in Nord-Süd-Richtung, was für die Siedlungs- und Verkehrsgeschichte des Landes von Bedeutung ist. Zu den größeren Flüssen zählen die Una und Sana, der Vrbas und die Neretva. Alle Flüsse in BuH sind nicht schiffbar.
BuH hat wenige bedeutende Seen. Die meisten großen Stillgewässer wurden künstlich angestaut. Der größte natürliche See des Landes ist der Buško jezero an der kroatischen Grenze bei Livno. Große Stauseen gibt es an Drina, Neretva, Vrbas und Trebišnjica.
Der größte Teil des Landes wird von kontinentalem Klima geprägt. Die Sommer sind in der Regel sehr heiß, die Winter kalt. In den höher gelegenen Landesteilen sind die kurzen Sommer kühler, die Winter lang und mitunter sehr kalt. Der schmale Küstenabschnitt ist mediterran beeinflusst. Die Temperaturen liegen dort über jenen des Landesinneren, die Winter sind regnerisch. In Sarajevo beträgt die mittlere Monatstemperatur im Januar etwa 1°C, im Juli ca. 21°C

Tourismus:
Wintersport in BuH beschränkt sich vorwiegend auf die großen Schigebiete im Raum Sarajevo aus der Zeit der Olympischen Spiele von 1984, der Jahorina und der Bjelasnica. Es gibt noch kleinere Schizentren im Raum Travnik am Vlasic und im Raum Kupres, die erwähnenswert wären. In den letzten beiden Jahren sind zwar einige Investitionen sowohl in Aufstiegshilfen als auch die Hotellerie gemacht worden, vieles erinnert aber noch an den Standard aus der Zeit der Olympiade. Ein großes Hindernis an einer entsprechenden Entwicklung des Winter- wie des Sommertourismus, trägt neben der Zeit des Krieges auch die Zeit danach bei, die in vielen Bereichen ein Zusammenleben erschwerten. Andererseits ist vor allem der ehemalige Frontverlauf mit Minen gepflastert und schränkt ungehinderte Ausflüge ins Grüne sehr ein. Die Begeisterung in der Bevölkerung für einen Schiausflug bzw. zu Grillveranstaltungen in die Berge ist aber sehr hoch. Die höchste Erhebung auf der Jahorina, ca. 25 km von Sarajevo mit dem Auto entfernt, ist der Palosevina (1848m).
Das Land selber hätte eine Unzahl von Freizeitmöglichkeiten zu bieten. Alle Outdoor Aktivitäten (Berggehen, Mountainbiken, Wildwasserfahren, Raften, Klettern, Paragliden, Kayaken, Schitouren, usw.) könnten hier umgesetzt werden.

Bergsport:
Das alpine Klettern ist besonders in der Herzegowina möglich. Hier wären vor allem die Prenj, Cvrsnica und Cabulja Berge in der Zentralherzegowina zu nennen. Veliki Kuk soll eine der besten Outdoor Kletterarenen im Land sein. Natürlich sind die Markierung der Zufahrten, Parkmöglichkeiten mit allem darum herum und die Absicherung des Geländes nicht mit unseren Standards vergleichbar.
Wie schon oben erwähnt ist aber einer der größten Hemmschuhe die Verminung des Landes. Als nächstes fehlt es an entsprechenden Organisationen bzw. Einrichtungen. Seit kurzem hat man das Potenzial erkannt und man beginnt mit internationaler Unterstützung über den Aufbau des Tourismus in diesem Bereich nachzudenken. Es gibt bisher einige Vereine bzw. Selbstunternehmer, die geführte Touren anbieten. Diese Vereine wurden/werden mit Hilfe von Ausländern aufgebaut und geführt. Mit der Entwicklung in diese Richtung müsste aber auch parallel dazu das Bewusstsein der Bevölkerung zur Natur sensibilisiert werden. So wird man nach einem schönen Ausflug in die Landschaft bei der Annäherung an bebautes Gebiet sehr schnell von der Realität wieder eingeholt. Man wird von mit Plastiksäckchen behangenen Flussufern oder einer unzähligen Anzahl wilder Mülldeponien empfangen.

Es gibt auch verschiedene Nationalparks in BuH. So befindet sich im ca. 17.500 ha großen Sutjeska National Park einer der letzten unberührten Wälder Europas. Im Nationalpark befindet sich auch die höchste Erhebung von BuH, der an der Grenze zu Montenegro befindliche Maglic (2.386m).
Die Berglandschaft hat sehr viele Ähnlichkeiten mit der unseren und ist man unterwegs, trifft man sehr oft auf Gleichgesinnte. Nicht selten kommt man bei seinen Touren in Gegenden, die einige Jahrzehnte hinter der heutigen Zeit sind. Die Bevölkerung ist aber sehr gastfreundlich. Selbstredend kann man bei diversen Unterkünften nicht unseren gewohnten Standard erwarten. Mann kann aber sehr wohl Unterkünfte finden und in letzter Zeit auch neuere. Man hat wieder begonnen zerstörte Berghütten zu renovieren. Die Landschaft ist aber sehr vielfältig and lässt genug Spielraum für diverse Unternehmungen. Eine Anreise zu den verschiedenen Ausflugszielen sollte am besten mit eigenen Transportmitteln erfolgen. Dabei muss man sich aber bewusst sein, dass es noch Jahrzehnte dauern wird, bis man einen Straßenausbau wie bei uns zu Hause vorfindet.