Ontario

Ontario im Osten Kanadas bietet mit seinen schoenen Nationalparks ein gutes, familientaugliches Ambiente. Dies insbesondere fuer Camper, die gerne mit dem Kanu unterwegs sind. Interessanterweise gibt es in der eher flachen Landschaft auch gute Klettermoeglichkeiten.

Ich hatte im Juni 2005 anlaesslich der Hochzeit meines Schwagers die Gelegenheit, ein paar Wochen in und um Toronto zu verbringen. Die Niagara-Falls 130 km suedlich von Toronto haben sich schon im 19. Jhdt als beliebte Kulisse fuer Hochzeiten und Flitterwochen etabliert. Wir hatten neben der Besichtigung dieses Naturwunders an der US-Kanadischen Grenze die Moeglichkeit, Toronto kennenzulernen, ein paar Klettergebiete entlang des sogenannten Niagara Escarpment zu besuchen und schliesslich einen einwoechigen „Einsteiger“-Kanutrip im Killarny-Nationalpark zu unternehmen.

Ontario,Toronto

In der Provinz Ontario leben ca. 9 Millionen Einwohner bei einer Flaeche von 1,3 Millionen qkm. Ontario ist damit der dichtbesiedeltste Teil Kanadas und verfuegt mit 400.000 Fluessen und Seen ueber ein Viertel des weltweiten Suesswasserbedarfs.

Toronto ist ethnisch bunt gemischt, neben Europaern (seit dem 17. Jahrhundert, zunaechst Franzosen und Englaender, in weiterer Folge insbesondere Italiener {>300.000}, Portugiesen {>100.000} und Griechen) gibt es viele Immigranten von den karibischen Inseln, aus Asien (insb. Chinesen) sowie eine grosse juedische Bevoelkerungsgruppe. Als besichtigenswert sind u. a. das Rathaus, die im gotischen Stil erbaute Universitaet von Toronto, diverse Einkaufszentren sowie der 553 m hohe CN (Canadian National Railways) Tower zu nennen.

Klettern

Das Niagara Escarpment ist eine 30 bis 50 m breite Schicht, meist Kalk, die ueber mehrere 100 km regelmaessig aus der Erde tritt und mit durchschnittlich 25 m Wandhoehe, die selten 40 m uebersteigt, unzaehlige Klettermoeglichkeiten bietet. Dieses Escarpment erstreckt sich im Wesentlichen in noerdlicher Richtung von den Niagarafaellen bis zu Tobomery am Ende der kleinen Halbinsel „Bruce Peninsula“, welche gleichzeitig den landschaftlich schoensten Teil dieser Perlenschnur darstellt.

Wie auch in den USA stehen in diesen Klettergaerten „Trad(itional) Climbs“, die selbst abzusichern sind, und Sportklettereien unmittelbar nebeneinander. Neue Erschliessungen finden aber fast ausschliesslich im Sportkletterbereich statt. Laut dem Standardkletterfuehrer „The Escarpment“ von Marc Bracken, Judy Barnes und Chris Oates aus dem Jahr 1991 hat der Oesterreichers Helmut Microys Mitte der fuenfziger Jahre das goldene Zeitalter des Kletterns am Escarpment eingeleitet.. Mit dem sogenannten „Mid-Atlantic Style“, in dem die selbststaendige Absicherung durch einzelne aus dem Abseilen gesetzte Bohrhaken ergaenzt wurde, wurden viele Routen im 8. Grad erschlossen. Die Klettergeneration der 90-er Jahre war mehr an gesteigerten Schwierigkeiten interessiert und mit durchwegs bohrhakengesicherten Routen fand der 9. Schwiergkeitsgrad seinen Einzug im Escarpment. Wandkletterei ueberwiegt, es gibt aber auch zahlreiche Risse. Mit unserem 60m-Einfachseil haben wir das Auslangen gefunden. Die Klettersaison geht von Maerz bis Oktober, ansonst ist es meist zu kalt.

Kanu

Die Nationalparks in Ontario stellen einen familientauglichen Einstieg ins „Kanuwandern“ dar. Die kilometerlange Seen sind entweder durch „Creeks“ (befahrbare Bachlaeufe) oder durch „Portagen“ (Strecken, an denen das Boot getragen werden muss) miteinander verbunden. Man kann an den Karten je nach verfuegbarer Zeit entsprechende Rundstrecken von einigen Tagen bis mehreren Wochen ausplanen, ohne an einem bestimmten Campingplatz ein zweites Mal zu naechtigen. Die Campingplaetze sind auf der Karte eingezeichnet, markiert und sollten genuetzt werden – hier gibt es einen ebenen Zeltplatz, eine Feuerstelle, und einen guten Anlegeplatz fuers Boot. Zudem kann man im Notfall leichter gefunden werden.

Die Befahrbarkeit der Creeks richtet sich nach dem Wasserstand und ist bis in den Fruehsommer gut moeglich (im Juni ging bei uns noch fast alles). Die Portagen sind ausgetretene Wanderwege mit markiertem Einstieg und unterschiedlicher Laenge – bei unserer Routenwahl hatten wir im Regelfall Distanzen von einigen 100 m zu ueberwinden, eine muehsame Ausnahme war eine Portage von fast 4 km. Unser Ultra-Light Kevlarboote wog knapp 30 kg, je nach Personenanzahl und gewuenschter Stabilitaet kann man unterschiedliche Gewichtsklassen mieten. Natuerlich kommt noch Verpflegung, Zelt und Schlafsack dazu. Als Zusatzausruestung sind noch Wasserfilter und Moskito-Netzjacken zu nennen, die man am besten guenstig vor Ort kauft. Die Moskitos (Black Flies) sind aber nur 2-3 Wochen im Mai wirklich ein Problem. Zu dieser Zeit ist ein Besuch der Nationalparks nicht zu empfehlen.. Als Standardmassnahme zum Schutz vor einem unwahrscheinlichen Baerenbesuch gilt, die Verpflegung in gewisser Entfernung vom Schlafplatz zwischen Baeumen aufzuhaengen. Die Kosten fuer dieses traumhafte Erlebnis belief sich damals auf 9 CAN Dollar Nationalparkgebuehr und eine taeglichen Bootsmiete von ca. 30 CAN Dollar.

 
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