Das Gebirgskampfzentrum SAALFELDEN publizierte vor einiger Zeit die militärische Flugrettung!
Wir dürfen Ihnen diesen Artikel von Gilbert HAMMERLE vorstellen


Militärische Flugrettung

Im Gesamtaufgabenbereich des Österreichischen Bundesheeres ist der

Flugrettung mittels Hubschraubern ein hoher Stellenwert zuzuordnen.

 

HHilfe und Rettung aus der Luft sind nicht nur Selbstzweck in Hinsicht auf militärische Einsätze, sondern eine Fähigkeit, die bereits im Frieden jedermann – egal ob Soldat oder Zivilperson – zugute kommen kann.

Mögliche und immer wiederkehrende – fast möchte man sagen alltägliche – Szenarien sind die Rettung bzw. Bergung von Personen, die in Bergnot geraten oder in Schluchten gefangen sind. Weiters von Personen, die durch Hochwasser, Muren, Lawinen oder Feuer von der Außenwelt abgeschnitten wurden bzw. nach Unfällen jeglicher Art dringende Hilfe benötigen.

Der grundsätzliche Auftrag für diese Einsätze ist im Wehrgesetz 2001 verankert.

Die mit rein militärischen Einsätzen zusammenhängenden Szenarien sind darüber hinaus beispielsweise die Bergung von Verwundeten, von Soldaten aus Minenfeldern, oder die Befreiung von Gefangenen oder Geiseln.

Flugrettung als Teil der Aufgabe »Retten und Bergen«

Im Anlassfall – ob Katastropheneinsatz oder rein militärischer Einsatz – wird eine Alarmeinheit gebildet, deren personelle Zusammensetzung und zahlenmäßiger Umfang sowie deren Ausrüstung von den jeweiligen Erfordernissen abhängig ist. Ihre Mannschaftsstärke kann vom Gruppen- bis zum Kompanierahmen und auch darüber hinaus reichen. Im Verband einer Alarmeinheit fällt dem Einsatz von Hubschraubern immer eine wesentliche Rolle mit vielfältigen Aufgaben zu: Erkundung, Transport von Gerät, Absetzen von Mannschaften und Spezialisten, Ausflug von eingeschlossenen Personen und vieles mehr. Als Spezialisten wären beispielsweise zu nennen: Notarzt und Sanitätspersonal, Flugretter, ABC-Spezialisten, Statiker, Sprengbefugte für Munition oder Lawinen, Hundeführer, Fernmeldefachleute oder auch Angehörige des Kommandos Sondereinsatzkräfte.

Die Flugrettung ist also nur ein sehr kleiner Bereich im Gesamtbild. Es wäre vermessen, ihr einen höheren Stellenwert zuzuordnen als den anderen Komponenten einer Alarmeinheit. Ihre Bedeutung für das Gesamtspektrum steht aber außer Zweifel.

 

 

 

Unterstützung beim Außenlasttransport durch Einweisen des Hubschraubers

 

Anforderungen an die Piloten, Bordtechniker und Flugretter

Das Wetter spielt mit seinen vielfältigen Faktoren eine entscheidende Rolle, ob und wie der Einsatz durchgeführt wird. Strömung und Stärke des Windes, Luftturbulenzen, Gewitterzonen, Nebel und Temperatur wirken sich erheblich auf die Flugeigenschaften aus und können einen Einsatz durchaus verhindern bzw. verzögern. Die letzte Entscheidung muss immer vor Ort getroffen werden.

Beachtet werden müssen unter anderem noch folgende Punkte und daraus resultierende Einschränkungen:

• Sicherheitsbestimmungen im und um den Hubschrauber.

• Die Leistung der Hubschrauberturbinen ist abhängig von Höhe, Wind, Temperatur und Beladung.

Bis zu einer Flughöhe von etwa 2 600 m reagiert – beispielsweise – der Hubschraubertyp Agusta Bell 212 auch bei voller Beladung einwandfrei. Darüber jedoch wird er zunehmend schwerfälliger in seiner Manövrier- und Lenkbarkeit.

Zusätzlich zu beurteilen sind Geländefaktoren, die den Landeplatz betreffen, wie etwa Steilheit und Ober?ächenbeschaffenheit sowie -bewuchs. In welchen Anlassfällen und unter welchen Gegebenheiten auch immer:

Sowohl die Piloten und Bordtechniker als auch die Flugretter müssen imstande sein, das Einsatzgebiet hinsichtlich seiner Besonderheiten und Gefahren richtig zu beurteilen und sich entsprechend zu verhalten.

Besondere Anforderungen an die Flugretter

Die Republik Österreich erstreckt sich zu mehr als 60 % über ein Gebiet, das mit Gebirgen verschiedener Höhenstufen bedeckt ist. Deshalb sind für das Einsatzteam die Kenntnisse der Eigenheiten dieser Regionen und die Vertrautheit damit unbedingte Voraussetzungen.

Als Flugretter dürfen daher nur Heeresbergführer und Heeresbergführergehilfen mit entsprechender Ausbildung eingesetzt werden. Sie alleine haben sich im Rahmen ihrer langjährigen Ausbildung und Ausübung ihres Dienstes die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten in Bezug auf Seiltechnik und Bergeverfahren angeeignet.

Die größte Anforderung an die Flugretter bei einem Einsatz in gebirgigem Gelände ergibt sich durch die abrupte Änderung der äußeren Bedingungen.

Unvermittelt und ohne Anpassungsphase wechseln sie von der Sicherheit der Kulturlandschaft in die raue, abweisende Zone der Felsgrate – oft auch bis hinauf zu den Gletschern – wo sie nur mehr auf sich allein gestellt handeln müssen.

Das erfordert eine rasche psychische Umstellung, die man nur mit entsprechender Erfahrung bewältigen kann.

Auch für die Flugretter – so wie für das gesamte Team – gilt als oberster Grundsatz: Ruhe bewahren!

Ausbildung zum Flugretter

Die Ausbildung zum Heeresbergführer beinhaltet einen Bergrettungskurs, in welchem der Teilabschnitt der Ausbildung zum Flugretter integriert ist.

Die Ausbildung zum Flugretter umfasst die Bereiche:

• Sicherheitsvorschriften und Sicherheitsmaßnahmen,

• Erste Hilfe,

• Erkundung und Vorbereitung von Landeplätzen bei Tag und Nacht,

• Zusammenarbeit mit und Einweisen von Hubschraubern,

• Unterstützung bei der Durchführung von Außenlasttransporten,

• Windenbergung.

Windenbergung aus dem Hubschrauber

Wenn es sich bei den Einsatzzonen um bewaldete, urban bebaute oder gebirgige und felsige Regionen handelt, ist es oft nicht möglich, den Hubschrauber sicher am Boden zu landen. Auf Wasserflächen und in verminten Gebieten ist es ohnehin unmöglich.

In all diesen Fällen kann die Bergung verletzter oder getöteter Personen – im militärischen Sprachgebrauch verwundeter oder gefallener Soldaten – nur unter Zuhilfenahme der am Hubschrauber angebrachten Rettungswinde erfolgen. Diese Bergungsart wird Windenbergung genannt und erfordert von den Piloten und Bordtechnikern ebenso wie von den Flugrettern ein Höchstmaß an Konzentration, Präzision und Koordination.

 

 

Basisausbildung am Fliegerhorst Fiala in Aigen im Ennstal

 

Ablauf: Nach eventuell erforderlicher Erkundung bzw. Suche nach einem Vermissten oder Verunglückten und Beurteilung der Lage wird das für den Einsatz am besten geeignete Verfahren festgelegt und durchgeführt.

Sämtliche Ausrüstung des Flugretters muss im Rucksack verstaut sein. Nichts darf am Klettergurt lose herabhängen, um ein Verhaken am Hubschrauber oder an Hindernissen auszuschließen.

Schwebt der Hubschrauber über der Unglücksstelle, so bedient der Bordtechniker die Rettungswinde und lässt den Flugretter am Seil zu Boden.

Der kritischste Augenblick ist jener des Aushängens des Windenhakens. Muss der Hubschrauberpilot in diesem Moment eine Korrektur – zum Beispiel wegen einer plötzlich auftretenden Luftbewegung – vornehmen, dann kann sich das bereits lockere Stahlseil erneut und unvermutet spannen und den Flugretter aus seinem scheinbar sicheren Standplatz reißen.

Die nächste Gefahrenquelle – diesmal für den Hubschrauber – bildet das nunmehr lose pendelnde Seil, welches sich bei knappem Abstand zu einer Mauer, Fels oder Bäumen verhängen könnte.

Am Standplatz besteht der erste und wichtigste Schritt für den Flugretter darin, die Unfallstelle hinsichtlich einer Selbstsicherung sowie der Sicherung des Verunglückten gegen Absturzgefahr zu beurteilen. Erste-Hilfe-Leistung in Zusammenarbeit mit einem nachgekommenen Notarzt und die Vorbereitung des Opfers für seine Bergung sind die nächsten Vorgänge. Im Anschluss daran ?ndet die Wiederaufnahme des Flugretters mit dem Verletzten statt, wobei die bereits beschriebenen Gefahrenmomente erneut zu beachten sind.

Bislang verständigen sich der Bordtechniker und der Flugretter hauptsächlich mittels Handzeichen. Funkverbindung ist nicht grundsätzlich vorgesehen, wäre aber wünschenswert und anzustreben.

Das Team muss also jeden Handgriff und jede Phase im Schlaf beherrschen und einander blind vertrauen können. Fehler ziehen unweigerlich fatale, zumeist tödliche Folgen nach sich.

Besonderheiten bei der Bergung von verunglückten Fallschirmspringern:
Bei der Bergung von Fallschirmspringern – bzw. im zivilen Bereich oftmals von Paragleitern – die zum Beispiel in einem Baum, an einer Hochspannungsleitung oder in einer Felswand hängen, ist unbedingt zu beachten, dass vom Abwind des Rotors eine große, zusätzliche Gefahr für den Verunfallten ausgeht.

Der Schirm würde bei Annäherung des Hubschraubers unweigerlich aufgewirbelt und so zu einem weiteren Absturz des Unfallopfers führen. Um das zu vermeiden, muss in solchen Fällen die Rettungsaktion in entsprechendem seitlichem Abstand vom Verunglückten ihren Anfang nehmen; die Sicherung des Opfers ist vordringlichste Aufgabe.

 

 

Einsatzübung im extremen Gelände

Bergung aus Minenfeldern: Die Bergung aus Minenfeldern ist keine Aufgabe der Flugretter, sondern von Kampfmittelbeseitigern, die eigens dafür ausgebildet werden. Der Kampfmittelbeseitiger muss bei der Bergung von Minenopfern einen besonderen Schutzanzug und spezielle Spider-Boots tragen, die sein Gefährdungsrisiko minimieren.

Internationale Ausbildung zum Bergrettungsspezialisten

Im Hinblick auf künftige internationale Auslandseinsätze ist ab dem nächsten Jahr geplant, den militärischen Bergrettungsdienst in neuer, veränderter Weise durchzuführen. Die Ausbildung zum Bergrettungsspezialisten wird gemeinsam mit Soldaten der Schweizer Armee und der Deutschen Bundeswehr unter Einbeziehung und Verwendung auch deren Hubschraubern und Ausrüstung erfolgen.

Die Absicht ist, eine Standardisierung der Ausbildung der Bergrettungsspezialisten zu erreichen, wobei Teilbereiche natürlich angepasst und vereinheitlicht werden müssen.

Ganz abgesehen von der Voraussetzung, Soldaten in gebirgigem und hochalpinem Gelände führen zu können, werden dabei an den internationalen Bergrettungsspezialisten unter anderem folgende grundsätzliche Anforderungen gestellt:

Er soll im Sommer wie im Winter

• alle Bergeverfahren beherrschen

• alle zur Verfügung stehenden Rettungsgeräte anwenden können

• spezielle Verankerungen für Rettungsaktionen errichten

• Bergrettungseinsätze planen, vorbereiten, durchführen und führen

• einen Notarzt durch fachkundige und effektive Erste-Hilfe-Maßnahmen unterstützen

• den Verletzten- oder Verwundetentransport mit und ohne Hubschrauber durchführen

• die unterschiedlichen Verfahren zum Suchen in/zur Rettung und Bergung aus Lawinen beherrschen.

Erklärtes Ziel der gemeinsamen, internationalen Ausbildung ist, durch die Standardisierung eine Kompatibilität zu erreichen, die es gewährleistet, bei Auslandseinsätzen MEDEVAC-Elemente (Medical Evacuation), also Rettungs- und Bergeelemente, bilden zu können, welche jederzeit nationenübergreifend wahlweise misch- und kombinierbar sind.

Ing. Gilbert Hammerle, Mjr

Alouette III
Agusta Bell AB 212
Sikorsky S70 »Black Hawk«
Eigengewicht 1 300 kg
Besatzung 180 kg
(1 Pilot und 1 Bordtechniker)
Verfügbare Nutzlast bis 500 kg, abhängig von Temperatur und Höhe
Eigengewicht 3 000 kg
Besatzung 270 kg
(2 Piloten, 1 Bordtechniker)
Verfügbare Nutzlast bis 900 kg, abhängig von Temperatur und Höhe
Eigengewicht 5 624 kg
Besatzung 360 kg
(2 Piloten, 2 Bordtechniker)
Verfügbare Nutzlast bis 4 000 kg,
abhängig von Temperatur und Höhe