In memoriam Werner HAIM


Werner HAIM wurde 1941 als Ältester von 3 Kindern in KAINISCH in der STEIERMARK geboren und entdeckte bereits früh seine Liebe zu den Bergen. Er erlernte den Beruf des Einzelhandelskaufmannes und arbeitete in SCHLADMING. Der DACHSTEIN war sein beliebtes Ziel, wo er sich seine ersten alpinen Sporen verdiente.
1959 rückte er zum Militär nach TIROL ein, um dort seine alpinistischen Fähigkeiten zu verbessern. In den nächsten 6 Jahren absolvierte er neben seiner Ausbildung zum Unteroffizier alle Kurse zum Heeresbergführer und -schilehrer. In diese Zeit fielen ungezählte schwere und schwerste Begehungen in seiner unmittelbaren Umgebung im KARWENDEL, wie z.B. die direkte MARTINSWAND VI+, LAFATSCHER-NO-Verschneidung VI, in den KALKKÖGELN – große OCHSENWAND-Rebitschkante VI, Riepenkante 1.Winterbegehung oder 1.Winterbegehung SPECKKARSPITZE-Nordwand.

Im Mai 1963 gelang ihm mit Felix KUEN und ZLABINGER in mehreren Tagen die 1.österr.Begehung der Superdirettissima-Sachsenweg in der großen Zinne Nordwand VI+. In diesem Jahr war Werner HAIM auch in den Westalpen tätig, wie z.B. am PETIT DRU – Bonatti-Pfeiler VI+ oder in der Heimat, wo er die 1. Winterbegehung in der SOLSTEIN- Nordwand erfolgreich absolvierte. Weitere Erstbegehungen, wie die Winterbegehung der KÖNIGSPITZ-Nordwand, die Maestri-Führe in der ROTWAND und viele andere mehr gelangen ihm.

In dieser Zeit lernte er seine Gattin Erika kennen, die er einige Jahre später heiratete. Aus dieser Ehe entstanden 2 Kinder – Brigitte und Werner – beide im Schulwesen tätig. Besonders Werner war ein ausgezeichneter Sportler, der 1985 Juniorenweltmeister im Skispringen wurde.

1966 wurde Werner HAIM erstmals zur Peru-Anden-Expedition eingeladen. Als Vorbereitung dafür absolvierte er viele schwere Touren in FRANKREICH und der SCHWEIZ zusammen mit Felix KUEN und Adi SAGER. Besonders hervorzuheben ist die Durchsteigung der MATTERHORN- Nordwand, bei der er sich die Zehen erfror.
Bei der Südamerika-Expedition 1966, die insgesamt 6 Monate dauerte, ist vor allem die 2.Besteigung des NEVADO JIRISHANCA, das Matterhorn Südamerikas, hervorzuheben.

In den weiteren Jahren erfolgten Erstbegehungen in der Heimat, wie z.B. die HOCHIß-Nordwand im ROFAN, im Ausland die Begehung der TRIOLET-Nordwand oder der Nordostwand des PIZ BADILE.

1968 erfolgte die Begehung des Franzosenweges in der WESTLICHEN ZINNE und weitere Erstbegehungen im KARWENDEL aber auch die 1.Winterüberschreitung der KALKKÖGEL stand auf seinem Programm.

1970 nahm HAIM an der NANGA PARBAT Expedition teil, um die 1.Begehung der Rupal Flanke vorzubereiten. Kaum zurück kam es zur allseits bekannten Rettungsaktion in Afrika am MOUNT KENIA, wo es dem Team aus TIROL gelang, den verunfallten Ibk. Arzt Dr. JUDMAIER nach 7 Tagen auf fast 5000m heil herunter und in die Heimat zu bringen.

Die 1. europäische MOUNT EVEREST Expedition, eine weitere Expedition zum NANGA PARBAT, die Erstbegehung an der ZUCKERHUT-Nordwand oder am CORCOVADO in BRASILIEN sind nur einige Eckdaten seiner alpinistischen Laufbahn. Auch Expeditionen im AMAZONAS Gebiet, wo Werner HAIM als Arzt für die Ureinwohner fungierte, sind erwähnenswert.
Weitere alpinistische Glanztaten können aus seinen beiden Büchern „Mein Leben als Bergsteiger und im Rollstuhl“ bzw. „Klettern bis zum Sturz in’s Nichts, meine größten Touren und Erstbegehungen in den ALPEN“ entnommen werden.

Im Juli 1985 stürzte Werner HAIM in der GAMSKAR-Südwand im KARWENDEL ab und saß seit jener Zeit im Rollstuhl. Seine Stationen in der Klinik in IBK, im Rehabzentrum BAD HÄRING und sein intensives Aufbautraining danach waren der Beginn seines neuen, veränderten Lebens.

Auf die Frage eines Reporters, wie er jetzt sein weiteres Leben sehe, antwortete HAIM: „Ich habe in den ersten 44 Jahren meines Lebens viel mehr erlebt als die meisten anderen Menschen, jetzt beginnt für mich auch ein anderes, annehmbares Leben“

Werner HAIM begann zu schnitzen, Bücher zu schreiben und Vorträge über seine alpinistischen Tätigkeiten zu halten. Er erhielt verschiedene Auszeichnungen, die goldene Verdienstmedaille des Landes TIROL die Verdienstmedaille in Gold der UOGT, er war Ehrenkranzträger des Bundes der Tiroler Schützenkompanien und Sportehrenzeichenträger der Gemeinde ABSAM.

Im letzten Jahr wurde Werner HAIM müde, man hatte den Eindruck, langsam geht seine Energie zu Ende, Krankheiten und eine Operation kamen dazu. Die letzten Tage und Wochen ließen seine Familie und engsten Freunde erkennen, dass sein Lebenslicht immer schwächer wurde.

Am 16. März 2012 ist Werner HAIM im Kreise seiner Familie friedlich eingeschlafen. Werner HAIM war ein verständnisvoller Familienvater, ein großartiger Alpinist, ein guter Soldat und für viele ein unverzichtbarer Wegbegleiter.


Nachruf von Oberst Fritz BIELER