Gradnitzer Hias, zum Gedenken


Sommer 1975: Seit kurzem bin ich in der 1. JgKp an der Jägerschule in SAALFELDEN. In der Kp gibt es auch eine Lehrgruppe Alpin. Die besteht, soweit ich das als Gefreiter erkennen kann, jedoch nur aus zwei Mann: Dem Hptm SCHNEIDER Horst und dem Vzlt STOSS Hubert.

Kurze Zeit darauf tauchen ein verschmutztes, altes Lastauto mit deutschem Nummernschild und ein bärtiger, braungebrannter Zivilist auf, den sie alle „Hias“ rufen. Schnell stellt sich heraus das ist OStWm GRADNITZER Mathias, der nach 4-monatiger Expedition vom NANGA PARBAT zurückgekommen ist.
Meine Neugierde steigt – der macht das, was ich gerne machen möchte

In den nächsten Jahren lernen wir uns, vor allem auf Alpinkursen, besser kennen. Hias als Ausbilder und DfUO und ich als Schüler.
Hias hebt sich von den damaligen Ausbildern ab. Er ist nicht der für die damalige Zeit typische Soldat. Er bemüht sich und ist bereit sein Wissen und seine Kenntnisse als Bergsteiger an uns Schüler weiter zu geben. Sei es nun bei Alpin- oder Schilehrerkursen. Er macht das auf seine bestimmte aber kameradschaftliche Art!

Ein Beispiel soll es aufzeigen. Bei der Prüfung am HBG Eiskurs hänge ich eine Prusikschlinge anstelle mit einem Geflecht mit einem Sackstich ein. Bevor ich es bemerke nimmt mir Hias die anderen Reepschnüre mit der Frage „Was duast hiaz? weg.
Ich nehme mein Taschenmesser, öffne die Klinge und gebe zur Antwort „I schneids a“. Hias gibt mir daraufhin mit einem Schmunzeln die Reepschnüre wieder zurück. Erledigt.
Ihm war es wichtiger Lösungen zu finden als nur stures Vorschriftenwissen zu vermitteln.

Mein Respekt vor ihm wird immer größer und unser gegenseitiges Vertrauen wächst und so starten wir, Hias, PFLUGER Gerhard und ich 1978 zu unserer ersten gemeinsame Auslandsbergfahrt. Wir fliegen nach PERU in die CORDILLIERA BLANCA.
Der Hias ist in seinem Element, er plant, organisiert und führt uns.
Piscu (5850m), Chacharaju Chico (6025m), Copigalci (6400m) und Huascaran Norte (6650m) können wir nach unserer Heimkehr in die Bergbücher schreiben.

Im Gegensatz zu mir fand Hias auch großen Gefallen am UN Einsatz am GOLAN.
Dies hatte für mich den Vorteil, dass ich ihn während seiner Abwesenheit als Ausbilder ersetzen durfte/musste und so sehr viel auf Kurse gehen konnte.


1980 dann unsere zweite gemeinsame Bergfahrt, diesmal in den PAMIR.
Und Hias war wieder der „Leader“. Durch seine Teilnahme an den NANGA PARBAT Expeditionen hatte er großes Ansehen bei den Russen und wir wurden als „Alpin VIP`s“ behandelt.
Im Aufstieg zum Pik Kommunismus verlor ich durch ein blödes Missgeschick wertvolle Zeit. Als ich etwa 100 Höhenmeter unter dem Gipfel auf den absteigen Hias traf, riet er mir abzusteigen. Er habe sich die Finger angefroren – ich habe im vertraut, bin ihm gefolgt und habe noch alle Finger.
Eine Woche später standen wir dann gemeinsam am KORSCHONJEVSKAYA (7107m).
In den 80iger Jahren war das Kursaufkommen so stark, dass wir nur mehr selten gemeinsam auf Kurse gehen konnten. 1996 übernahm Hias die Funktion des Hauptlehrunteroffizier für Qualifizierte Alpinausbildung und Bergrettungswesen und war dadurch mehr und mehr an den Schreibtisch gefesselt. Als Ausgleich organisierte er einige private Trekkingtouren in Nepal und nahm nach seiner Pensionierung noch an einer Expedition am CHO OYU teil.

Hias war ein überaus geselliger Typ, er brauchte Freunde und Gleichgesinnte um sich. Nach seiner Pensionierung wurde er nur sehr selten in der Kaserne gesehen. Er hatte den typischen „Pensionisten-Stress“. Aktiv war er vor allem in der Historischen Schützenkompanie Saalfelden anfangs als „gemeiner Soldat“ später als Fähnrich und erlangte zu Letzt den Dienstgrad Hauptmann. Im Schiklub Saalfelden arbeitete er als geprüfter Torrichter bei einer Unzahl von Rennen mit.
Seine größte Leidenschaft in der Pension galt jedoch dem Golfspielen und seiner Arbeit als Green-Keeper am Golfplatz.

Ich für meine Person bin dem Hias dankbar, für all das was er mir für meinen Beruf als Bergführer mitgegeben hat, für die Freundschaft und Kameradschaft die ich mit und von ihm erleben durfte!

Ein letztes Bergheil, lieber Hias!

Nachruf von Klaus WAGENBICHLER