Freude
Von Helmut Bauer
Ein
sonniger Bergtag in den Dolomiten. Ein luftiger Klettersteig.
Abwechslungsreich, manchmal vielleicht ein wenig fordernd.
Griffiger Fels, ein Stahlseil, das vor Absturz sichert. Tief
unten liegt das normale Leben. Der Trubel in der Stadt dort,
die winzig klein hinten unter der braungrauen Schicht des
Smogs gerade noch sichtbar ist. Dörfer in den grünen
Wiesen, dunkle Wälder dazwischen. Straßen, auf
denen sich der Ausflugsverkehr tummelt und sich so manche
Fahrer gegenseitig den Vogel zeigen. Sie haben es ja alle
so eilig.
Hier heroben herrscht herrliche Ruhe. Dieses undefinierbare
Gegrummel aus dem Tal wird durch das leise Säuseln des
Windes fast übertönt. Dohlen schweben beneidenswert
an den Felsen entlang und lassen ihren Pfiff hören. Wenige
Worte werden mit dem Kameraden gewechselt. Erst oben auf dem
Gipfel werden wir, unseren Jausen zusprechend, über unsere
Tour und andere Dinge plaudern. |
| Früher
waren es die Wände, die wir in freier Kletterei erforschten
und „bezwangen“. Wände in allen Schwierigkeitsgraden.
Diese Grade der Schwierigkeit wurden mit zunehmenden Alter
immer niederer. Ein Sicherheitsdenken hatte eingesetzt, der
Körper war den Anstrengungen nicht mehr so gewachsen,
die Gelenke machten Schwierigkeiten. Eigentlich
machte diese Art zu Klettern keine richtige Freude mehr. Die
innere Sicherheit fehlte.
So
verlegten sich die Aktivitäten auf Wanderungen im Gebirge
und auf Klettersteige.
Die Freude ist dabei ebenso groß. Der Genuss der Bewegung,
der Geruch des Felsens, das Gefühl des ganzen Rundherum
der Bergwelt, alles ist vorhanden. Der Erlebniswert ist vielleicht
ein anderer geworden. Dinge, die man früher am Weg zum
Einstieg oder müde nach der Tour ins Tal nicht wahrnahm,
finden jetzt Beachtung und lassen gerne einhalten. |
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Also
warum an etwas festhalten wollen, das früher einmal war,
heute nicht mehr möglich ist und auf anderer Ebene immer
noch schön und ausfüllend sein kann. |
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